Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

hier wird über die Pflege und Restaurierung antiker Möbel gesprochen
mano
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Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

Beitrag von mano » Mittwoch 27. November 2019, 22:28

Sollte ich an der Stelle neues Furnier einsetzen oder versuchen das Furnier nochmal zu kleben und den entstandenen Riss auszufüllen? (mit Wachs?)
In Abhängigkeit zu der Stärke der Furnierrisse könntest du dir auch aus Schleifmehl und Schellack einen (Nussbaum-)Holzkitt erstellen. Dazu schleifst du irgendein Furnierstück "Nussbaum" (nicht den Schrank !!), fängst den Schleifstaub auf und mischt ihn mit Schellack. Der Vorteil ist der, dass der "Holzkitt" genau in der Farbe ist. Für kleine Risse ist das m.E. ideal. Ansonsten gilt, wie hier schon geschrieben, die Regel, Altes möglichst zu bewahren.
Zur Schellackpolitur:
Ich könnte mich ja mal an einer Tür versuchen.
Wenn es dich reizt, dich an dem Schrank zu probieren, dann doch nicht auf der Frontseite !!!, auf die man immer schaut. Wenn überhaupt, dann auf einem Seitenteil und das möglichst unten.
Liebe Grüße
mano

Idealist47
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Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

Beitrag von Idealist47 » Mittwoch 27. November 2019, 22:37

Guten Abend

Nun ich würde die gelösten Furnierstellen als ersten Schritt wieder runterleimen. Es gibt ein flüssiges Mittel im rest. Fachbereich,
welches die Spannungen in diesen Bereich minimiert, aber benötigt man nicht immer. Gute Dienste hierzu eignet sich ein Bügeleisen,
welches auf Seide einzustellen ist. Weiter benötigt man Backpapier. Dieses haftet nicht. Zu dem gebraucht wird eine Zulage und Zwingen zum pressen. Ich nehme gerne eine sehr dicke Gummiplatte für diese noch kleinen Bereiche. Das Gummi gleicht feine Unebenheiten bestens aus.
Arbeitsweise:
Furnier leicht mit klammen Tuch anfeuchten und das Backpapier auflegen. Nun mit dem erwärmten Bügeleisen in kleinen kreisenden Bewegungen den Bereich überfahren. Mit Finger die Temperatur beurteilen. Der originale Leim sollte etwa ab 60°C beginnen zu ziehen.
Nun fix die Zulage auflegen und Zwinge ansetzten.
Dieses wäre die erste Arbeit. Wenn das Furnier später wieder sich löst, so wird neuer Leim mit einer Spritze untergedrückt und wie im ersten Schritt geleimt.
Es gibt weitere Möglichkeiten zu diesem Thema z.b. spez. Zulagen aus Holz ( Ausgleich Unebenheiten ) , mit heißen Furnierhammer aufreiben ... aber das geht erstmal zu weit ins Detail.
Hier im Forum und Tips zu Restaurierungen findet man einiges zum Thema Holzretaurierungen, einfach mal stöbern

Kleine Risse könnte man schließen, aber man bedenke, Holz und Füllmaterial müssen fast identisch quellen und schwinden können, dazu
identische Farbveränderungen im Laufe der Zeit, das ist selten der Fall. Daher belasse ich kleine Risse und zähle diese zur Patina.
;)
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mia_sl
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Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

Beitrag von mia_sl » Mittwoch 27. November 2019, 22:46

Ich finde die Idee mit der Schellackgrundierung und dem Wachsen anschliessend für einen Laien eine sehr gute Alternative.
Hochglänznd würde ich den Schrank sowieso nicht mögen und einen wunderschönen seidenmatten Glanz kann man auch mit gutem Wachs erreichen.
Und da du von einer gut ausgestatteten Werkstatt sprichst, schaue ich mit Optimismus in eine bessere Schrank-Zukunft. :slightly_smiling_face:
Gruß Mia

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Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

Beitrag von JensE. » Donnerstag 28. November 2019, 06:21

Super, vielen Dank für eure umfangreichen Rückmeldungen.
Das hilft mir auf jeden Fall weiter. Sobald ich mich dem Schrank wittme, werde ich berichten.

JensE.
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Beitrag von JensE. » Freitag 29. November 2019, 09:53

Wäre Shellac Sanding Sealer von Borma Blond als Grundierung geeignet?

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Beitrag von Idealist47 » Freitag 29. November 2019, 13:52

Moin
Als abgekürzte klassische Politur ist das möglich. Anstelle des Sanding Sealer ( für Kunden, denen die ``klassische Politur `` zu teuer war ),
verwendete ich gerne Resit. Das beinnhaltet kein Quarzsand. Der Verlauf ist gut und verbindet sich einwandfrei mit Deckpolituren. Poren
werden nicht vollständig damit gefüllt, aber gut für die Aufnahme der Schellackpatikel vorbereitet.
Wichtig ist einen Pinsel zu benutzen, der speziell für Firnisse und Schellackpolitur geeignet ist.
Die Grundierung ist vor dem Auftrag anzuwärmen.
Hier ein link von meinen besagten Mittel: Gäste sehen keine Links

p.s. Wenn du mit Pinsel diese erwähnten Grundierungen auftragen möchtest, möglichst wässrig einstellen und mehrere Durchgänge fertigen. Zwischenschliff gehört dazu.
Gruß
Martin
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Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

Beitrag von JensE. » Dienstag 3. Dezember 2019, 06:28

Danke für deine Rückmeldung, Martin.
Ich glaube wir haben etwas aneinander vorbei geredet.
Was sollte ich denn als Grundierung zur Porenfüllung nehmen, bevor ich den Schrank mit Antikwachs wachse.
Ich hätte als Endergebnis gerne eine glatte seidenmatte Oberfläche.

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reas
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Biedermeier Nussholzschrank Schellack aufarbeiten

Beitrag von reas » Dienstag 3. Dezember 2019, 18:12

JensE. hat geschrieben:
Dienstag 3. Dezember 2019, 06:28
Was sollte ich denn als Grundierung zur Porenfüllung nehmen, bevor ich den Schrank mit Antikwachs wachse
Hallo JensE,

verdünnten Schellack, d.h. Stammlösung verdünnt 1:6 mit Ethanol, einmal mit Pinsel auftragen und mindestens 24 Stunden trocknen lassen, danach den Wachs auftragen und am nächsten Tag polieren. Mit der gekauften Grundierung habe ich keine Erfahrung da ich mir den Schellack in Blättchenform kaufe und selbst löse und weiterhin verdünne. Genauso den Bienenwachs löse ich in Balsamterpentinöl.
Die Grundierung kommt auf das rohe Holz bevor man den Wachs aufträgt.

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Beitrag von Idealist47 » Dienstag 3. Dezember 2019, 18:57

JensE. hat geschrieben:
Dienstag 3. Dezember 2019, 06:28
Ich glaube wir haben etwas aneinander vorbei geredet.
Das glaube ich kaum, das von dir erwähntes Mittel namens Sanding sealer ist als Grundierung und Porenfüllung entwickelt worden. Aber die Porenfüllung
darf man hierbei nicht überbewerten. Es kleidet die Porenwände ledeglich mit einer dünnen Schicht aus. Diese Grundierung gibt den weiteren Aufbau Substanz,sprich Absperrung.
Reas gibt oben schon an, wie traditionell verfahren wird.
Eine reine Bienenwachslösung ist vielen etwas zu weich. Es gibt reichlich Rezepte für Wachspolituren mit mehr Inhaltsstoffen.
Ich denke da an Karnaubawachs, Sandarakharz...
Gruß Martin
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Beitrag von reas » Dienstag 3. Dezember 2019, 22:04

Idealist47 hat geschrieben:
Dienstag 3. Dezember 2019, 18:57
Es gibt reichlich Rezepte für Wachspolituren mit mehr Inhaltsstoffen.
Ich denke da an Karnaubawachs,
hatten wir das schon in der Restaurierungsvorschläge Ecke? Wenn nicht würde mich das Rezept sehr interessieren, wenn Du so nett wärst...?
Mache mir langsam eine Liste für die nächste Kremmer Bestellung, habe letztes Mal das Kopal total vergessen und wollte es doch gerne ausprobieren :upside_down_face:

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