Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

hier wird über die Pflege und Restaurierung antiker Möbel gesprochen
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13felix
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Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

Beitrag von 13felix » Montag 20. Januar 2020, 17:57

Hallo liebe Experten alter Eichentruhen,

aus dem Nachlass meiner Eltern besitze ich eine alte Eichentruhe die ich gern meinem Sohn zum Bezug seiner neuen Wohnung schenken würde. Ich habe Zeit und auch etwas handwerkliches Geschick, aber keine Erfahrung und möchte nichts „verdummen“.
Im Deckel sind Bildchen aus dem neunzehnten Jahrhundert eingeklebt, diese müssen unbedingt erhalten werden. Meine Idee: Mit einer 2mm Plexiglasscheibe die Bilder innen staubdicht abdecken. Das Holz würde nur unwesentlich durch einige Schrauben beschädigt.
Restauratoren mag sich der Magen drehen, aber ich habe leider als Kleinkind an den Bildern herumgekratzt, traurig, aber leider war.

Die Bänder sind ok, das Schloss fehlt.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Istzustand. Alle Bilder und ein kleines Video sind abrufbar unter:
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Frage: wie säubere/entlacke ich Holz und Metall und wie schütze ich es anschließend.
Für konstrktive Anregungen bin ich dankbar.

Foto 06.12.18, 17 02 22.jpg
Foto 06.12.18, 17 02 12.jpg
Foto 06.12.18, 17 01 55.jpg
Foto 06.12.18, 16 58 59.jpg

lins
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Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

Beitrag von lins » Samstag 25. Januar 2020, 16:23

Hi Felix,
willkommen im Forum. :slightly_smiling_face:
Ich geb's zu, ich bin mit meiner Antwort ein bisschen spät dran. Hoffentlich schaust Du überhaupt noch mal rein.
Der Grund ist der, dass mir zur Aufarbeitung der Truhe nichts eingefallen ist, außer, dass ich nichts machen würde, außer sie zu säubern. Aber zu der eingeklebten "Volksfrömmigkeit" noch was sagen, das hat mich doch verfolgt und mir keine Ruhe gelassen.
Hauptsächlich, weil es mich sehr gefreut hat, mit welcher Bestimmtheit Du schreibst, dass die eingeklebten Bilder auf jeden Fall erhalten bleiben sollen. Das hat mir sehr gefallen. Da ich mich mit religiöser Volkskunst befasse, kenne ich natürlich den Brauch, Andenken von Wallfahrten, Erstkommunion Erinnerungszettel, Wettersegen und viele andere "Papierheiligtümer" an die Innenseiten der Schranktüren, und wie in Deinem Fall in den Deckel der Truhen zu kleben. Einige solcher Bilder habe ich auch schon erworben, kenntlich an den Klebespuren. Oft wurde Mehlkleister verwendet. Diese Bilder haben dann dunkle Ecken, wo der Mehlpapp durchgeschlagen ist, bei manchen fehlen die Ecken, weil sie doch so innig mit dem Holz verbunden waren. Ich habe auch schon Schranktüren gesehen, die so beklebt waren, aber Deine Truhe ist, trotz aller Beschädigungen, ein besonderes Denkmal der Frömmigkeit der Menschen.
Neben allen Überlegungen, was mit der Truhe geschehen soll, würde ich Dich doch bitten, in Deiner Umgebung eine Institution, hauptsächlich Menschen ;) , zu finden, die das Ensemble im jetzigen Zustand dokumentieren und archivieren, der Nachwelt zumindest digital erhalten.
Insofern ist Deine Truhe wirklich einmalig.
Ich wiederhole noch einmal, was ich oben schon sagte: Mache das Äußere der Truhe mit einfachen Mitteln schonend sauber und schau Dir das Ergebnis erst mal an. Wenn die so restauriert würde, dass sie außen wie "geleckt" aussieht, wäre der Gesamteindruck nachhaltig gestört.
Vielleich geben die Restaurateure hier Tipps zu einer derartig schonenden und achtsamen Vorgehensweise.
Erstmal Gruß
Lins
Hier sind einige Beispiele solcher "herausgelöster" Bilder. Die sind nicht als Heiligenbildchen bzw. Andachtsgrafik in Gebetbüchern gelandet, sondern waren zur Erbauung während alltäglicher Abläufe in Schränke oder Truhen geklebt.
Bild 1 gesamt.jpg
Bild 2 gesamt.jpg
Bild 3 gesamt.jpg
Bild 4 gesamt.jpg
Bild 5 gesamt.jpg

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3rd gardenman
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Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

Beitrag von 3rd gardenman » Samstag 25. Januar 2020, 17:37

Willkommen im Forum :slightly_smiling_face:

Deine Truhe würde ich lediglich mit etwas milder Seifenlauge eher nur nebelfeucht abwischen. Dazu ein uraltes, schon zigmal gewaschenes T-Shirt oder sonstigen Trikot-/Jerseystoff verwenden. Gut sind die uralten Hemdchen aus Nylon, die fusseln rein gar nicht.

Dann gut trocknen lassen, mit einem normalen Lein- oder Olivenoel vorsichtig und SEHR sparsam einlassen - mit einem Borstenpinsel die Oelung durchführen.
Nur äusserlich mit Oel behandeln - zur fixeren Trocknung würde ich empfehlen ein Halboel zu nutzen: echtes Balsamterpentin mit Leinoel in gleichen Anteilen gut vermischen - feuert die Maserung vom Holz an und sorgt für einen Schutzfilm.
Keine Überschüsse stehen lassen.

Gebrauchte Lappen mit Leinoel getränkt unbedingt nach Abschluss der Arbeiten verbrennen oder in einer dicht schliessenden Blechdose aufbewahren. Es besteht die Gefahr einer Selbstentzündung.
Grüße Harry

13felix
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Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

Beitrag von 13felix » Sonntag 26. April 2020, 12:59

Hallo Lins und Harry,

herzlichen Dank für die Antworten. Private Gründe lassen mich erst heute dazu zu kommen mich zu bedanken und zu melden.

Zwischenzeitlich konnte ich aber doch am Erbstück weiterarbeiten und habe auch die Einzelschritte fotografiert.
Im Westerwald hatte ich jemand gefunden, der in professioneller Weise alte Möbel von Schmutz und Farbe befreit. Die Außenseiten waren sehr unsachgemäß mit einem Anstrich aus Leinöl mit Rötel überpinselt worden. Entfernt haben wir es durch Glasperlenstrahlen und hatten als Ergebnis saubere Beschläge, entfernte Farbe und die Information, dass die senkrechten Verblendungsbretter an den Kanten aus Weichholz sind. Als Highlight gab die Truhe noch eine Information preis: „Anno 1803“ auf der Vorderseite aufgemalt. Die im Runddeckel eingeklebten Bilder sind alle unversehrt geblieben.

Daheim war dann Handarbeit angesagt:
Mit Handschuhen, grober Edelstahlwolle, Schaber, Stechbeitel, Muskeleinsatz und einem Staubsauger habe ich die Außenseiten nachbearbeitet und dann die Innenseiten und das Seitenfach gesäubert. Eine mühsame aber wirkungsvolle Methode. Den Bereich Innenseite Runddeckel habe ich noch vor mir.
Die Truhe ist jetzt von außen gewachst, das Holz fühlt sich warm und glatt an und alle Beschläge sind heil.
Teile des Deckelbeschlages waren wohl in der Nachkriegszeit sehr rustikal mittels zweier verzinkter Dachpappennägel fixiert worden. Diese habe ich entfernt und werde sie durch „antike“ Nägel ersetzen. Der Truhenboden hat eine Ritze, die mein Großvater in den 1920er Jahren von unten mit einem aufgenagelten Brett abdeckte. Die Nägel reichten in den Innenbereich und hätten zu Verletzungen führen können, ich habe sie auf Bodenhöhe gekürzt.
Sehr unansehnlich waren auch die offensichtlich später angebrachten Verblendungsbretter auf den Ecken. Die Leinöl-Rötel-Farbe war unter der Verblendung. Ich habe sie entfernt (Nägel aus Eichholz zu ziehen ist eine Herausforderung), neue Eichenbretter besorgt und die Kanten wie im Original gefräst.
Die nächsten Arbeiten:
-die Verblendungsbretter an den senkrechten Ecken aufnageln
-Deckelbeschläge vernageln
-neues, altes Schloss anbringen
-im Runddeckel angebrachte Bilder säubern
Hier möchte ich mit Getreidemehl oder Getreidegries einen Versuch machen. Aus dem Netz habe ich die Info, dass Restauratoren damit die Schmutzschicht von Papier ab radieren.
Sehr wichtig war der Hinweis von Forenmittglied Lins zu dokumentieren. Ich werde alle Bilder einzeln aufnehmen.

lins
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Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

Beitrag von lins » Sonntag 26. April 2020, 14:14

Hi Felix,
schön, dass Du Dich noch mal meldest und danke für die Informationen. :slightly_smiling_face:
Vielleicht stellst Du ja noch ein paar Bilder von den markantesten Restaurierungsschritten ein.
Aber ich habe auch noch Geduld, wenn Du uns erst die fertige Truhe vorstellst. ;)
Ich wünsche Dir noch viel Freude und Ausdauer für den Rest der Arbeiten.
Grüße
Lins

13felix
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Runddeckel Eichentruhe aufarbeiten

Beitrag von 13felix » Sonntag 26. April 2020, 17:58

Hallo Lins und interessierte Forumsleser,

danke für die schnelle Antwort.
Unter dem Link:
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habe ich einige Fotos abgelegt. Die Detailfotos der Bilder im Deckel werde ich noch bereitstellen.
Jetzt soll erst einmal der Korpus fertig werden.

Einen schönen Restsonntag und bitte gesund bleiben.

Herzliche Grüße
13felix

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