Altes Buch Bibel?

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Juli_1905
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Altes Buch Bibel?

Beitrag von Juli_1905 » Sonntag 14. Juni 2020, 17:20

Das ist ja echt interessant. Werde der Dame mal eine Nachricht zukommen lassen

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nux
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Altes Buch Bibel?

Beitrag von nux » Sonntag 14. Juni 2020, 17:36

Juli_1905 hat geschrieben:
Sonntag 14. Juni 2020, 17:20
Nachricht
:relaxed: viele Dänen können auch Deutsch oder Englisch, aber wenn es sprachlich haken sollte, frag hier ruhig dazu - bisschen kann ich und wir haben auch eine 'echte Dänin' ja neu dazu bekommen- @Scheel https://www.dieschatzkisteimnetz.de/vie ... in#p113619

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wa213
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Altes Buch Bibel?

Beitrag von wa213 » Sonntag 14. Juni 2020, 21:44

Der Wert des Buches ist nicht so einfach zu bestimmen, jedes so alte Buch ist ein Einzelstück, es kommt darauf an, ob jemand genau die Ausgabe oder einfach nur eine Bibel haben möchte, man muss überhaupt erst einen Interessenten finden etc.
Eine kleinformatige deutsche Bibel dieses Alters ohne Illustrationen ist an sich einmal nicht wirklich einennennenswerten Betrag wert und wird meist am Flohmarkt für ein paar Euro an jemanden verkauft, der ein "altes Buch" möchte. Ich bin ziemlich sicher, dass das bei einer dänischen sehr ähnlich ist. um 1800 war das Buch ein schon ein Massenprodukt, gerade theologische Werke waren damals sehr beliebt die Auflagen dementsprechend hoch, heute ist die Nachfrage gering.

Dein Buch macht zumindest etwas her. Das Muster auf den "goldenen Kanten" nennt man punzierten Goldschnitt, Blattgold wird auf den Buchschnitt aufgetragen und das ganze dann (mit einem hier recht einfachen) Muster verziert. Das ist ansehnlich, den Wert steigert es aber kaum, findet sich bei alten Büchern recht häufig.
Schwer einzuschätzen ist dein Buch auch, weil die Einbandbeschläge ziemlich sicher nicht zu dem Buch gehören. Schön ist dass das Buch noch seine Schließen hat, das ist nicht immer so, diese gehen öfter mal verloren. Wenn das Buch zu seiner Enstehungszeit unter Verwendung äterer Teile gebunden wurde, hätte sich der Buchbinder mit ziemlicher Sicherheit die Zeit genommen, die Beschläge anzupassen, dass sie zumindest nebeneinander passen, also gehe ich davon aus, dass die Arbeit irgendwann in den letzten Jahrzehnten einfach irgendwie gemacht wurde. Das macht den Einband für die meisten Sammler uninteressant. Auf deinen letzten Bilder sieht es auch so aus, als wären die Schließen zu kurz für das Buch, und verziehen die Buchdeckel, das kann aber auch an der Pespektive liegen
Um sicher zu gehen, solltest du den Einband bei einem Juwelier auf Silber testen lassen. Ich wäre ziemlich sicher, dass es kein SIlber ist, weil er auch nicht besonders fein gearbeitet ist und man , wenn man schon ein wertvolles Material verwendet hat, auch handwerklich mehr investiert hat.
Wenn es doch Siber sein sollte, wie andere hier vermuten, wäre der Materialwert zwar auch nicht hoch, aber als Silbereinband wäre es eine Seltenheit, die sicher besser bezahlt wird.
Als wertlos würde ich das Buch sicher nicht bezeichnen, wenn es kein Silber ist würde ich den Wert irgendwo unter 100€ sehen, genauer möchte ich es nicht sagen, weil das Buch eher nicht für einem Sammler verkauft werden wird, dem das Buch wohl zu jung und nicht original genug sein wird, sondern an jemand der ein dekoratives "altes" Stück möchte. Wenns wirklich Siber sein sollte ists vielleicht das doppelte oder dreifache.

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nux
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Beitrag von nux » Montag 15. Juni 2020, 00:18

wa213 hat geschrieben:
Sonntag 14. Juni 2020, 21:44
gehe ich davon aus, dass die Arbeit irgendwann in den letzten Jahrzehnten einfach irgendwie gemacht wurde.
gehe mit Dir im Großen & Ganzen d'accord, aber damit nicht. Weil - das, also die Beschläge, die sind definitiv 'zu altmodisch'. Danish Design sieht seit Jahrzehnten anders aus ;) :) - sowas bastelt keiner mehr nach.

Das passt m.E. noch nicht mal mehr an den Anfang des 20. Jh, da gab es bereits ganz andere Stilelemente als nun gerade Akanthus-ähnliches Blattwerk. Davor, im ausgehenden 19. Jh. bis auch noch so um 1910 hätte man eher Nationalromantikken. Das Papier könnte aber ev. aber schon etwas jünger sein.

Könnte mir eher vorstellen, dass die Schließen möglicherweise doch original sind. Oder aus der Entstehungszeit des Buches; muss ja nicht ursprünglich dafür gemacht gewesen sein. Dann wäre Silber wahrscheinlich. Oder aber: zweite Zeit, Historismus - dann wäre versilbert auch noch eine Möglichkeit.

Nur: die Region gilt es dabei auch zu beachten - das ist ehemaliges Herzogtum Schleswig [Gäste sehen keine Links] - und da, also Südjütland und (vor allem nördliches) SH - hätte man im 19. Jh. rel. sicher schon diese typischen Schmucksteine aus Glas (glasflusser) mit verwendet (die sich auf vielen anderen Silber-Sachen auch finden)
Beispiele [Gäste sehen keine Links]

Weiß eigentlich über solche sehr speziellen Sachen auch nicht annähernd genug, um dazu was zu äußern; sind mehr allgemeine Ableitungen aus anderen Bereichen. Buchverschlüsse ist ja wohl direkt ein eigenes Forschungsgebiet; da wird sogar über 'alte Forschungen' geforscht, menno :upside_down_face:
Daher ja auch: sollte wer ansehen, der sich mit solcher Art Antiquitäten besser auskennt (Wert hin oder her) oder zumindest ein Silbertest angedacht werden.

----

NB - wieder ein neues Wort gelernt ;) - Klausurmacher [Gäste sehen keine Links]
ausgestorben? nicht ganz :grinning: [Gäste sehen keine Links]#

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Beitrag von wa213 » Montag 15. Juni 2020, 05:18

Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, dass die Beschläge alt sind, bezweifle ich nicht, aber die Schließen sind zu kurz und alles andere zu groß, diese Restaurierung/Bastelei wurde in den letzten Jahrzehnten gemacht und damit ist e s leider kein original Einband mehr.

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Bolero
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Beitrag von Bolero » Freitag 26. Juni 2020, 14:42

kleiner Nachtrag....
ganz offensichtlich wurde hier versucht, eine eher "billige" Bibel aus der Massenware nicht gerade fachmännisch aufzuwerten. Ich bin mit "wa213" gleicher Ansicht, dass die Beschläge nachträglich angebracht wurden. Ebenso das colorierte Vorsatzpaier mit Jugendstil ähnlicher Verzierung und Farbgebung zeugt auf eine nachträgliche Arbeit hin. Unüblich für diese Zeit war auch der sogenannte "Goldschnitt" bei Massenware. Diesen brachte man vielmehr bei Einzelstücken an. Im Übrigen hat man diesen nicht wegen der Schönheit angebracht, sondern vielmehr zum Schutz vor Staub und Dreck. Denn die feuchte Farbe lies das Papier leicht aufquellen und verschloss so die Lücken zwischen den einzelnen Bögen, welche damals nicht so sauber und glatt aufeinanderlagen, wie dies heute der Fall ist. Auffallend ist auch das fehlende Kapital. Bei teuren Büchern oder auch Einzelstücken wurde meist ein sogenanntes Kapital gestochen. Dies sind die farbigen Bänder am oberen und unteren Buchrücken. Je schöner und aufwändiger ein Kapital, desto reicher der Auftraggeber - daher der Begriff Kapital. Nicht ganz ersichtlich ist, ob ein Kapitalband vorhanden ist. Dies wurde meist im gleichen Arbeitsgang mit dem Kapital eingearbeitet und diente quasi als Lesezeichen. Ob nun die Beschläge aus Silber sind kann ich online nicht erkennen. Hier könnte man mit einem starken Magneten testen, da Silber nicht magnetisch ist, andernfalls ein Säureprüfset besorgen (nicht ganz billig so um die 60.- Euronen) und testen.
Fazit: Ein schönes Stück Buch mit Familiengeschichte. Insofern eher ein individueller Wert, aber sicherlich nichts zum wegwerfen :-)
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Beitrag von Juli_1905 » Montag 29. Juni 2020, 14:11

OK vielen Dank.
Magnetisch scheinen die Beschläge nicht zu sein. allerdings auch nicht wirklich fein gearbeitet.
Um nochmal auf die anderen Bücher zurückzukommen. Diese sind größtenteils aus dem frühen 19. Jh.. Konnte sie bisher nur aus der Garage retten . Fotos werden bei Zeiten folgen
Vielen dank an alle :blush:

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