Säbel eines Kavalleristen

hier werden historische Ausrüstungs und Uniformteile besprochen
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Brynhild
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Säbel eines Kavalleristen

Beitrag von Brynhild » Montag 27. August 2018, 00:58

Wünsche allen einen wunderbaren Abend

Habe mir heute mal den alten Säbel genauer angeschaut, den mein Urgroßvater hinterlassen hat. Laut meinem alten Herren war der wohl Kavallerist während des ersten Weltkriegs (mein Vater meint, im Range eines Feldwebels). Ich weiß nur, dass mein Ahne aus der Mannheimer Gegend stammt ... gab es eine kurpfälzische Kavallerie????
Der Säbel ist in einem - meine ich - ganz ordentlichen Zustand. Nur hat mein Vater das Wappen einmal gelb angemalt, als er in jungen Jahren bei der Mannheimer Prinzengarde "gedient" hat. Es ist deswegen nicht mehr so gut zu erkennen. Womöglich kann mir einer von euch mehr zu dieser Waffe erzählen?

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nux
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Säbel eines Kavalleristen

Beitrag von nux » Montag 27. August 2018, 01:16

Hallo,

das Dingen ist doch gerade - wieso also Säbel? Degen würde ich meinen - und der waagerecht angebrachte (gelb angemalte) Adler ist meines Wissens preußisch :thinking: - aber so bei Berittenen?

vergleiche da zuerst das Oberteil Gäste sehen keine Links

Dann noch genauer mit dem oberen Emblem WRII Gäste sehen keine Links

Somit wohl nicht unwahrscheinlich: Preussen, Infanterie Offiziersdegen (IOD) M 89 (1889)
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Bei den Portepees kenne ich mich nicht richtig aus, mehr dazu dort Gäste sehen keine Links und auf vielen Seiten im Netz; nur eine grad exemplarisch Gäste sehen keine Links

also ab Feldwebel aufwärts gab's auch Portepees :upside_down_face: - aber mit der Kavallerie hätte ich da Zweifel - denn bei denen standen die Adler doch senkrecht im Korb? Da einige Beispiele dabei Gäste sehen keine Links

Hat die Klinge irgendwo Marken?

Gruß
nux

Brynhild
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Säbel eines Kavalleristen

Beitrag von Brynhild » Montag 27. August 2018, 22:41

Hallo nux
Vielen Dank für deine schnelle Antwort und deine Anregungen. Selbstverständlich ist das ein Degen - irgendwo geisterte bei mir im Hinterkopf so eine Unterscheidung zwischen Degen = Stichwaffe und Säbel = Hauwaffe rum. Und ich meinte zu wissen, dass Säbel auch gerade sein können (im Unterschied zum Krummsäbel) Aber du hast natürlich Recht: ein Säbel hat wohl immer eine leichte Biegung, während ein Degen auch eine scharfe Klinge hat (bin da gedanklich wohl eim Florett festgehangen).

Dieser Degen sieht mir auch ganz nach preußischer Infanterie aus. Doch nun stelle ich mir die Frage, wie ein Mannheimer Kavallerist in den Besitz einen preußischen Infanteriedegens kommt. Dass mein Urgroßvater bei der Kavallerie war bestätigt mein Vater. Und der kennt sich da als alter Hauptbootsmann recht gut aus. Ich glaube nicht, dass er da was verwechselt, auch wenn er heute in anderen Dingen nicht mehr ganz so fitt ist. Mannheim gehörte damals zu Baden, die Badischen Regimenter sind Preußen direkt zugewiesen gewesen (im Gegensatz zu Württemberg, Bayern und Sachsen) So zumindest meine ich die angelesenen Informationen verstanden zu haben. Aber ich glaube auch verstanden zu haben, dass sich die Embleme auf Waffen und Uniformen von den preußischen unterschieben haben (nicht das ich da wirklich Ahnung von hätte. Habe ich nur beim Stöbern im Web so verstanden. Klärt mich bitte auf, wenn ich das doch nicht richtig kapiert habe).

Wegen des Portepees ist sich mein Vater sicher, dass der Urahn Feldwebel war (mein alter Herr hat selber viele Jahre so eines getragen). Zudem war Uropa im normalen Leben ein einfacher Industrie-Handwerker, der mit Sicherheit keinen höheren Rang innegehabt haben konnte. War der Degen nun also "nur" ein Kriegssouvenier oder hat man ihm mangels Ausrüstung so ein altes Ding von den Preußen in die Hand gedrückt, obwohl er doch badischer Kavallerist war? ;)

Ach ja ... die Klinge ist leider ohne Gravur. Zumindest konnte ich keine finden und sie ist in einem guten Zustand ohne große Scharten, die eine Marke überdecken könnten. Vielleicht wegpoliert? :yum:

Weinstock
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Säbel eines Kavalleristen

Beitrag von Weinstock » Freitag 29. November 2019, 12:59

Moin, hier kenne ich mich ein bisschen aus.

Das ist ein preussischer Infanterie Offizier Degen neuer Art. Auch gerne als Modell 1889 bezeichnet.

Einen solchen trugen auch die sogenannten Unteroffiziere mit Porteepee. Feldwebel passt.

Der Griff ist in gutem Zustand, die Kartusche mit WII noch erhalten. Fein. Anscheinend Holz (könnte auch Bagalitt sein) mit Metalldraht als Wicklung, Offizierswicklung.

Warum nun ein IOD bei der Kavallerie Verwendung fand, keine Ahnung. Vielleicht ist er ihm nach dem Krieg untergekommen, selber sollte er ihn im Dienst nicht genutzt haben. Ich gehe daher von einem späteren Erwerb aus. Diese Waffen waren auch nicht billig, so das ein Feldwebel vor dem Krieg eine solche Waffe kaum aus Spass erworben haben würde.

Dafür gab es den Kavalleriedegen, hier meiner aus Württemberg.
20191129_124147.jpg
Hier ein badisches Stück mit dem Adler der Preussen, wie sie gerne als Erinnerung erworben wurden.
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Der Portepee (der lederne Faustriemen) ist das klassische Offiziersstück, bisschen mitgenommen aber noch in Ordnung. Hier eine Kopie in korrekter Wicklung.
20191129_124006.jpg
Da die Scheide des Degens nur einen Tragering hat ist er nach dem 15.12.1910 einzuordnen. Vorher 2 Ringe.
20191129_124013.jpg
Das die Klinge nicht graviert oder geätzt ist ist nicht ungewöhnlich, diese Waffen waren für den Einsatz gedacht. Die gravierten sind privat beschaffte Klingen zum ausgehen und angeben. Was nicht heißt, dass es nicht hervorragende Waffen sein können.

Private Meinung:
Die Farbe ist ein Sakrileg. Die gehört runter. ;)
Da der Degen geschraubt ist, könnte man die Schraube am Knauf lösen. Achtung die sitzt sehr fest, daher zum Schutz Leder drum und dann ohne die Schraube zu zerkratzen oder schlimmer einzukerben lösen.

Das Messing vom Rest trennen und gefühlvoll reinigen. Ungetrennt versaut man nur den Griff.

Noch besser machen lassen.

Nun zum weiteren meine Fragen die auch den Wert betreffen:

Ist der Handschutz fest oder klappbar?
Gab es mal einen zweiten Ring ?
Gibt es Herstellermarken unterhalb des Handschutzes ?
Irgendwelche eingeschlagenen Zahlen oder Punzen im Messing?
Das letzte Hemd hat keine Taschen, aber die Freude des Sammlers liegt darin ein besonderes Stück eine Zeit sein Eigen zu nennen.

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