Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von Nvntivs » Sonntag 10. Februar 2019, 10:01

Auch wenn ich jetzt keine weiteren Informationen, sinnvolle Fotos oder Ähnliches beizusteuern weiß, muss ich sagen -es ist echt schön gewesen.
Das Thema ist doch viel detaillierter besprochen worden als ich befürchtet hatte. Es hat mir auch echt viele neue Informationen beschert die ich bei zukünftigen Erwerbungen sicher gut einsetzen kann :)
Daher hier noch mal ein besonderer Dank an alle die mitgemacht haben! :)

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Emmi
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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von Emmi » Sonntag 10. Februar 2019, 10:08

Du setzt hoffentlich keinen Schlusspunkt? Wir erführen demnächst ganz gern, wie es mit der Aufsatzkommode weitergeht.

:-.

Emmi

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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von Nvntivs » Sonntag 10. Februar 2019, 11:37

Emmi hat geschrieben:
Sonntag 10. Februar 2019, 10:08
Du setzt hoffentlich keinen Schlusspunkt?
Nein, es ist nur ein Zeichen meiner Dankbarkeit :) Wenn jemand weitere Infos beitragen kann, oder ich selbst etwas machen kann um zu der Klärung beizutragen bin ich zur Stelle! :)

Ah ja, ein Detail habe ich noch finden können, wobei ich es doch nicht für realistisch halte irgendwelche Schlüsse daraus zu ziehen:
Es ist ein einziger Buchstabe. Befindet sich im unteren Teil innen links auf dem Rahmen.
8.jpg

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mia_sl
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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von mia_sl » Sonntag 10. Februar 2019, 11:48

Finderin hat geschrieben:
Sonntag 10. Februar 2019, 07:55
@ Mia Danke dir für deine Erklärung, es hat geklappt und die Fotos sind angekommen! :* Kannst du mir Vollpfosten auch noch erklären wie ich am Smartphone zitiere? Das wäre für mich eine große Hilfe! :slightly_smiling_face
Ein bisschen OT, aber wenn du schon hier im Thread fragst:

Ich kenn jetzt dein Smartphone nicht, aber mit dem Zitieren ist es hier im Forum mit mobilen Geräten augenscheinlich nicht so einfach.
Ich habe mit meinem Apfel Pad auch so meine Probleme. Das ist meist Try and Error und erfordert schon mal viel Geduld.
Ich markiere die entsprechende Zeile aus dem Post, kopiere sie noch zur Sicherheit und wenn ich dann auf das Zitieren Icon drücke passiert oft nix.
Schon mal taucht beim vorsichtigen Runterscrollen ein kleines Popup Fenster auf: Als Zitat einfügen. Wenn man das erwischt, wird der markierte Text als Zitat in der Antwort angezeigt.
Ansonsten wiederhole ich meine Versuche mit dem Zitieren Icon so lange bis es klappt.....
Nervig ist das schon..... :face_with_rolling_eyes:
Also für Mobil Geräte ist diese Foren Software nicht optimiert....
Gruß Mia

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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von Nvntivs » Sonntag 10. Februar 2019, 12:19

Ah und vielleicht noch ein Indiz. Ich weiß nicht ob es zuvor schon so sichtbar war. Ich habe gemerkt, dass die Schubladenanordnung der auf diesem Beispielbild sehr ähnelt. Sprich, dass die mittlere Schublade etwas tiefer sitzt.
Zuletzt geändert von rup am Sonntag 10. Februar 2019, 19:04, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bild gelöscht, bitte Copyrights beachten ...

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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von rw » Sonntag 10. Februar 2019, 18:23

Ich habe eben bemerkt, dass es Diskussionen über den vertieften Bereich in der unteren Schublade gab. Ich habe oft gesehen, dass auf Empire-Möbeln häufig Möbel verwendet wurden, die von Philadelphia-Schreinern wie dem berühmten Anthony Quervelle und dem weniger bekannten John F. White sowie vielen anderen in den 1820er und 30er Jahren hergestellt wurden.
Quervelle verwendete diese Konstruktionstechnik so oft auf Schreibtischen, Sekretären und Büros, dass es schwierig ist, eines seiner Stücke zu finden, das den Bogen nicht hat. Ich habe Zeichnungen in seinen Skizzenbüchern gesehen, die den zurückgesetzten Bogen an vielen Schubladenfronten veranschaulichen. Bei seinen feineren Stücken wurde dieser Bogen in eine Fächerform geschnitzt, bevor das Flammen-Mahagoni-Furnier aufgebracht wurde. Der versenkte Bogen hat seinen Ursprung in der neoklassizistischen Form, und manchmal finden man sie als volles Oval aus Ebenholz. Andere nutzten es, um zwei Türen mit dem halben Bogen an jeder Türfront zu überspannen.
Ich meine damit aber “nicht”, dass die Aufsatzkommode amerikanisch ist. Die Amerikaner liehen ihren Stil aus England und Europa aus. Im Falle von Quervelle waren seine Entwürfe Abwandlungen von englischen und französischen Formen.
Ich sage nur, dass dies ein sehr häufiges Merkmal von Empire-Möbeln ist, und obwohl ich nicht viel über deutsche Möbel weiß, würde ich mich nicht wundern, dass es auf Beidermeir-Stücken sowohl in der ursprünglichen Periode als auch in der Revival-Periode einmal erschien .
Im Falle von Empire-Möbeln hat das spätere Revival, bekannt als Second Empire, diese Funktion häufig übernommen. Aufgrund der Tatsache, dass das Motiv sowohl in den frühen 1800er Jahren als auch später in den späten 1800er Jahren verwendet wurde, ist die Datierung des Stücks allein aufgrund dieses Merkmals unzuverlässig.

Grüße
rw
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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von reas » Montag 11. Februar 2019, 18:46

gerümpel hat geschrieben:
Sonntag 10. Februar 2019, 09:31
Perlmutt kann man gut mit der Laubsäge bearbeiten und mit einem Metallbohrer bohren
Also kann man es wie die Schlüssellocheinlagen aus Ebenholz bearbeiten...wenn das so ist das Loch erst bohren wenn du das Perlmutt an die Schublade angeleimt hast @Nvntivs

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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von Finderin » Mittwoch 13. Februar 2019, 12:24

@ all sorry für OT! Ich bin lernende in vielerlei hinsicht....danke für eure Nachsicht mit mir!

@nvntivs ich denke immernoch über dein Möbel nach...dabei bin ich auf folgende Seite gelangt:
Gäste sehen keine Links

"Anders ist es um die Datierungsmöglichkeit bürgerlicher Möbel bestellt. Natürlich gab es auch hier bekannte Werkstätten mit besonderer Eigenart. Meist aber wurden Möbel für den alltäglichen Hausgebrauch von den örtlichen Schreinern hergestellt, deren Arbeitsweise und Stil von sehr unterschiedlichen Einflüssen geprägt waren. Tradition und das Vorbild von Lehrherren wirkten da natürlich mit. Dazu aber kam, dass jeder Schreiner selbst gewissermaßen eine künstlerische Persönlichkeit war und in die erlernte Formensprache eigene Eingebungen mengte. Lange Wanderjahre hatten zudem eine Fülle von Anregungen mit sich gebracht, die auch verarbeitet werden wollten. So war das Ergebnis oft eine individuell willkürliche Mischung von Formen verschiedener örtlicher Herkunft und zeitgebundener Stile. Daher ist die Datierung hier ungemein schwierig. Denn selbst wenn Formen, Verarbeitungsmethoden, Holz- und Furniertechniken, Beschläge und andere Schmuckelemente auf eine bestimmte Epoche hinzudeuten scheinen, ist es keineswegs gewiss, dass ein Möbel auch in dieser Zeit entstanden ist. Auf dem Lande hielten sich überkommene Formen und Ornamente oft über Generationen hinweg, so dass mit den üblichen kunsthistorischen Begriffen kaum etwas anzufangen ist. Nur in größeren Zentren war man etwas mehr bemüht, sich dem jeweils aktuellen Stil anzupassen und jeweils das Neueste zu bieten.

So ergeben sich in diesem Bereich für die Datierung lauter Unsicherheitsfaktoren, und ein Spielraum von mindestens zwanzig Jahren ist stets zu lassen."

Hier noch ein Zitat aus "Biedermeier-Möbel: Deutschland & Donaumonarchie" von Rainer Haaff zur Datierung von Möbeln:
"Ebenfalls helfen hier bei der Bestimmung die Art der Verziehrungen, der Ausgestaltung und Anbringung der Schlösser, Riegelsysteme und Beschläge entscheidend weiter. Übergreifende Stilmerkmale und Dekorationsformen wurden meist regional abgewandelt, dabei finden sich französische und besonders englische Einflüsse in mehreren Entstehungsgebieten."
"...Diese ergeben sich ferner durch bestimmte Typen von Beschlägen, die im Einzelfall fortschrittlicher oder konservativer als das eigentliche Möbel sein können. Insbesondere gedrückte Messingware deutscher, österreichischer und nicht selten englischer Produktion kann den wechselnden Moden folgend zu genauerenAltersbestimmungen führen."

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht schon wieder einen Fehler gemacht.... >:)

Mir begegnete die Tage folgendes Zitat: "Entweder es scheint zu sein, weil es ist, oder es ist, weil es scheint." K.H. Macha
Da denke ich auch schon eine Weile drüber nach ':)

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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von Nvntivs » Donnerstag 14. Februar 2019, 11:32

Ich denke im Prinzip, dass es die ganze Diskussion um die Möbel des 19en Jahrhunderts sehr gut zusammenfasst.
Wenn ein Schreiner in der ersten Hälfte des 19en Jahrhunderts während seiner Wanderjahre mit englischen Möbeln in Berührung kam (was durch die enge Verbindung von z.B. Hannover mit England damals gar nicht so unwahrscheinlich ist) kann er durchaus in ein sonst dem Biedermeier entsprechendes Möbel eine solch englische Schublade einbauen, wenn der Kunde sich dafür begeistern ließ.
Genau so sieht es mit den Zahnleisten aus…
Es ist aber ebenso möglich eine Produktion in Englischen Einzugsgebiet mit Einflüssen aus dem Biedermeier…

Ich persönlich bin jetzt mit dem Eindruck geblieben, dass das Stück etwa 1840-1860er entstanden sein dürfte. Die vielen Indizien sprechen nun wohl doch gegen das „zweite Biedermeier“.

Übrigens hier noch ein Gedanke am Rande. Theodore Dreiser beschreibt in seinem „der Finanzier“ genau diese Zeit, wenn auch im US Raum und im Detail gerade den Einfluss der Mode, wie die bereits halbwegs betuchte Gesellschaft der jeweils aktuellen Mode nachjagte und bestrebt war das was vor kurzem noch modern war schnellst möglichst durch die aktuelle zu ersetzen.

Ich denke wir können in der heutigen Gesellschaft, die extrem viel Wert auf Individualismus setzt nur sehr schwer nachfühlen wie stark die Mode damals ganze Schichten in gleiche Kleidung steckte und gleichartiges Mobiliar in den Häusern pflanzte.
Anders wären die recht scharfen Abgrenzungen Barock…Empire/Biedermeier/Historismus/Jugendstil/Art Deco gar nicht möglich.
Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass auch ein älterer Schreiner ein solches Stück irgendwo 1870-1890 bauen würde.
Denn es wirkt für mich auch für damalige Zeit nicht gerade wie ein günstiges Möbel…

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nux
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Eine Aufsatzkommode mit Merkwürdigkeiten

Beitrag von nux » Donnerstag 14. Februar 2019, 14:01

Nvntivs hat geschrieben:
Donnerstag 14. Februar 2019, 11:32
wie stark die Mode damals ganze Schichten in gleiche Kleidung steckte und gleichartiges Mobiliar in den Häusern pflanzte.
Indvidualismus einerseits, ja - gewünscht, gewollt, deklariert, eintätowiert gar und durchstochen - aber :D sorry, aber da musste ich doch etwas off topic mehr als grinseln - seit Jahrzehnten dominieren doch entweder diese blauen Hosen oder ein nurnochschwarz fast alles? gibt zwar reichlich Variationen des Street Styles - jedoch letztendlich ist das (für mich) eine reichlich breiige, öde doch-Mode. Und die Sache, die mit dem schwedisches Möbelhaus begann und überall Billys quasi aus den Wänden wuchsen >:)
Geh doch mal im Feenmantel Gäste sehen keine Links: statt im Business-Dress ins Büro oder in eine Bank - uha :')

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