Teppiche von Omas Dachboden.

alte und antike Teppiche
Bestimmung, Wertschätzung und Tipps zur Pflege und Restaurierung.
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Krabbensalat
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Teppiche von Omas Dachboden.

Beitrag von Krabbensalat » Freitag 20. März 2020, 11:41

Moin Leute,

zuerst einmal möchte ich mich kurz vorstellen: ich bin Hendrik, komme aus Hamburg und habe - kurz gesagt - keine Ahnung
von Teppichen, alten Möbeln und anderen Antiquitäten. Daher bin ich gerade total dankbar, dass es dieses Forum gibt und hoffe hier die Erleuchtung zu finden! :slightly_smiling_face:
Ich richte mir nämlich gerade eine neue Wohnung ein und wollte auf dem dort vorhandenen Dielenboden ein paar schöne Teppiche auslegen.

Da in dem Haus meiner verstorbenen Großeltern noch etliche Teppiche auf dem ungenutzten Dachboden ihr Dasein fristen,
schaute ich mich dort um und fand einige passende Exemplare, welche jedoch verschiedene kleinere Schäden aufweisen und wohl neben kleinen Flickarbeiten auch umfassend gereinigt werden müssten. (Raucherhaushalt)

Mein Opa und mein Großonkel waren in den 50ern-70ern häufiger im Iran - speziell in Teheran - unterwegs und brachten von dort einige Exemplare mit.
Da aber beide, laut Schilderungen meiner Mutter, jedoch eher wenig Geld hatten, kann es sich dabei eigentlich nicht um besonders wertvolle Stücke handeln. Und ob alle wirklich "echt" sind und welcher Teppich tatsächlich in der Zeit mitgebracht wurde - das ist die nächste Frage...
Aber um Werte geht es mir in erster Linie auch nicht. Ich würde einfach gerne etwas über Herkunft, Alter und Technik und
auch über die Bedeutung der Symbolik erfahren.

Ich fange für's Erste mit einem Läufer (oder Brücke?) von ca. 340x110cm an:
20200318_163502.jpg
20200318_163515.jpg
20200318_163525.jpg
20200318_163628.jpg
20200318_164139_2.jpg
Auffällig finde ich den Farbunterschied zwischen Vorder- und Rückseite. Der Teppich lag die letzten 35 Jahre unter einem Dachfenster und bekam die pralle Mittagssonne ab. Man sieht auch, dass die eine Hälfte stärker ausgeblichen ist.
Ist das normal oder spricht das für schlechte Qualität der Farben?

...könnte das ein turkmenischer Teppich sein? Mit meinem laienhaften Blick finde ich zumindest einige Ähnlichkeiten.

So, das reicht jetzt aber für's Erste....
Im Laufe der nächsten Tage kommt bestimmt noch der eine oder andere Teppich hinzu. ;)

Grüße
Hendrik

Krabbensalat
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Beitrag von Krabbensalat » Samstag 21. März 2020, 10:27

Teppich Nr. 2:
20200320_171656.jpg
20200320_171825.jpg
20200320_171818.jpg
Der hier ist ca. 125x90cm groß und viel zu schön, um von den Motten zerfressen zu werden. ;)
Oder was meint ihr?

Gruß
Hendrik

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Teppiche von Omas Dachboden.

Beitrag von Krabbensalat » Sonntag 22. März 2020, 20:09

Teppich Nr. 3
20200322_151431.jpg
20200322_151410.jpg
20200322_151346.jpg
20200322_151424.jpg
20200322_151613.jpg
Dieser hier gefällt mir besonders. Die Farben sind toll und das Muster ist nicht wirklich symmetrisch und weist auch sonst viele kleine "Fehler" auf, welche dem Teppich einen besonderen Charme geben. Und er wiegt gefühlt ziemlich viel für seine Größe.
Diese beträgt übrigens ca. 225x168cm

Die Fransen machen einen merkwürdigen Eindruck. Sind die überhaupt echt, oder nachträglich angebracht?

Was ist das bloß für einer? Vielleicht ein (nachgeahmter) Shiraz?!

Grüße
Hendrik

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Teppiche von Omas Dachboden.

Beitrag von nilpferd » Dienstag 24. März 2020, 13:40

Hallo Hendrik,

Deine hier gezeigten Teppiche sind allesamt authentisch und handgeknüpft.
Das Format des Ersten wird "Galerie" genannt und ist oft in Fluren und Gängen zu finden. Hin und wieder im Arrangement mit 2 gleichartigen Brücken war sowas in den 60/70ern auch in Schlafzimmern rund ums Bett beliebt.
Diese Galerie würde ich nach Youmud oder Buchara verorten wollen. Sie kann also durchaus turkmenischen oder russischen Ursprungs sein.
Dass die Farbe nach einigen Jahrzehnten Sonneneinstrahung leidet, ist halt so. Bei schlechter Woll-/Farbqualität wär das Ding schon verrottet.
Wenn man einen Van Gogh in die Sonne hängt, hat man nach der Zeit auch nur noch weißes bröckelndes Papier. Deswegen war der Künstler aber nicht schlecht.

Das zweite Stück sieht mir ein bischen weiter östlich aus. Wenn mir jemand erzählte, er sei aus Pakistan/Afghanistan, würde ich nicht widersprechen.

Den dritten finde ich von den Fotos her auch am schönsten. Schiras wäre möglich, es könnte aber auch Sandjan sein. Das muss man fühlen. Schiras ist in Südwestpersien, die Wolle da ist trockener. Wenn Du von "schwerer" Qualität sprichst, würde ich eher auf den Norden tippen. Aber das muss man entweder wissen, oder zumindest den Teppich begrabbeln können.

Soweit man es von den Fotos beurteilen kann, sind sie alle von ordentlicher Qualität. Keine Museumsstücke oder von nepalesischen Tempelhuren mundgeklöppelt und nix, wovon man sich einen Ferrari finanzieren könnte. Aber zum Hinlegen und sich daran freuen bestens geeignet.

Eine Monetarisierung von Teppichen, die nicht museal oder antik oder am besten Beides sind ist momentan fast unmöglich. Erst vor kurzem wurden zB. von meinem Lieblingsauktionshaus mehrere hundert wirklich feine Stücke aus Konkursmasse zu sittenwidrigen Schleuderpreisen verkauft. Nicht versteigert, verkauft. Teilweise für weniger als 10% ihres reellen Wertes. Und mit dem reellem Wert meine ich nicht die "Räumungsverkäufe", wo von Mondpreisen 70% runter immer noch für eine fette Marge des Händlers sorgen.

Man muss sich immer vor Augen halten, dass ein Mensch - meistens sogar eine Frau oder mehrere - für die Fertigung eines Quadratmeters schönen Teppichs je nach Knüpfdichte und Wollqualität schon mal ein Jahr Arbeit darin investiert.
Und wir kaufen dann hier dieses Jahr Arbeit für 50 Euro...

Insofern: Freu Dich an Deinen Teppichen.

Grüße,
Martin
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Beitrag von lins » Dienstag 24. März 2020, 16:08

Hi Martin,
heute muss ich mich mal persönlich bei Dir bedanken und es nicht nur bei einem schlichten Anerkennungspunkt belassen.
Danke für Deine nicht nur fachlich fundierten Beurteilungen, sondern auch für die engagierte Art mit der Du Auskunft gibst. Da spüre ich richtig das Fachwissen und die Begeisterung mit der Du hinter Deinen Tipps und den Einschätzungen stehst.
So, das musste mal gesagt werden, auch wenn es nicht zum Thema gehört. :slightly_smiling_face: :upside_down_face:
Grüße
Lins

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Beitrag von nilpferd » Dienstag 24. März 2020, 16:41

Servus Lins,

Dein Lob ehrt mich über alle Maßen, ist aber total unbegründet. Mein "Fachwissen" beruht nur auf ein paar Jahren im Teppichgeschäft, wo es in erster Linie darauf ankam, dem Kunden zu "seinem" Teppich eine einzigartige Geschichte mit zu verkaufen, und einem guten Meter Literatur im Regal.
Wenn ich mir angucke, was andere zB über Nürnberger Silber (jaja, ich mag die Häufebecher aus dem 16,/17.) oder fränkische Fayencen wissen - dagegen bin ich ein Analphabet bei Teppichen.
Nach dem Motto des Einäugigen unter den Blinden gebe ich so gut ich kann, meine Meinung preis.
Dabei kann ich auch durchaus daneben liegen. Aber wir sind halt hier ein Forum und kein Verein vereidigter Sachverständiger für lau.

Grüße,
Martin
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Beitrag von Krabbensalat » Mittwoch 25. März 2020, 12:36

Hallo Martin, hallo Lins,

Bescheidenheit ist ja bekanntlich eine hohe Tugend. ;)
In den wenigen Tagen, seit ich auf dieses Forum gestoßen bin, habe ich von euch beiden so einige sehr kompetente, sachliche Beiträge gelesen und hatte insgeheim auch gehofft, dass einer von euch auf meine Fragen antworten wird. ;) Insgesamt finde ich den Umgang in diesem Forum sehr angenehm. Ganz anders, als es in z.B. den meisten Computerforen mittlerweile der Fall ist.
So, nun aber genug des Lobes und der Beweihräucherung.... ':)

Vielen Dank für die Einschätzung, Martin! Genau darauf wollte ich hinaus. Ein wenig mehr über die Teppiche erfahren und ich wollte hören, dass sie echt und nicht von einer Maschine gefertigt sind.
Und Du hast in einem Punkt recht: nicht der Sammlerwert eines Teppich ist entscheidend, sondern die in ihm steckende Handarbeit, die ein oder mehrere Menschen über Monate an einem Teppich verrichtet haben. Daher möchte ich nun diese Teppiche so gut es geht pflegen und hegen.
Ich habe hier eine Teppichreinigung gefunden, die eine Reinigung von Wollteppichen zu knapp 19€/Quadratmeter anbietet und zudem ganz gute Bewertungen hat. Ich denke, der Preis ist vollkommen in Ordnung. Dort werde ich, sofern dort in der aktuellen Lage überhaupt gearbeitet wird, die Teppiche nächste Woche hinbringen.

Danke noch mal für eure Antworten! PS: der eine oder andere weitere Teppich könnte sich demnächst hier einfinden!

Grüße
Hendrik

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Beitrag von nilpferd » Mittwoch 25. März 2020, 22:56

Hallo Hendrik,

vielen Dank für Dein Feedback und die damit verbundene Wertschätzung nicht nur meines Engagements hier und vlt. anderswo.
Eine Teppichreinigung für 19€/m² finde ich bedenklich günstig. Bei den Fachleuten meines Vertrauens komme ich nicht unter dem Doppelten davon - und das sind schon Freundschaftspreise.
Wenn man nur mal drüberkärchert - naja, das kann man auch selber machen, der Teppich hält das aus, wenn er gut getrocknet werden kann. Eine Reinigung von Hand ist recht aufwändig, 1h/m² muss man mindestens rechnen. Das sach- und fachkundig zu machen ist auch nix, was *bitte hier abwertenden Begriff für niedere Tätigkeiten einfügen* machen könnte.

Meine Empfehlung, auch wenn Du nicht danach gefragt hast:
Teppich 1 (die Galerie) so lassen und in einen nicht allzu hellen Flur legen. Durch eine Reinigung gewinnt er nicht wirklich viel, der Farbverschuss ist zu groß. Oder selber mal kärchern.
Teppich 2 (der Afghane): Garnix machen. Ja, ist schön, gewinnt aber auch nicht viel durch eine Reinigung und wird dadurch nicht so sehr aufgewertet. Wenn Deine Waschmaschine groß genug ist, kannst Du ihn durchs Wollprogramm nudeln. Nicht schleudern. Balkon oder Terrasse und mindestens 3 Tage schönes Wetter vorausgesetzt.
Teppich 3 (der Schiras/Sandjan): Geiles Teil. Frag einen Fachmann vor Ort. Bei dem würde ich in eine Reinigung investieren.

Viele Grüße,
Martin
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Beitrag von Krabbensalat » Donnerstag 26. März 2020, 09:43

Moin Martin,

das Problem bei allen drei Teppichen ist, dass sich Zigarettenrauch von teilweise über 40 Jahren darin angesammelt hat.
Ich als Nichtraucher bin da leider sehr empfindlich. :upside_down_face:
Außerdem kommt ganz feiner, fieser Staub aus den Teppichen.
Und was zu allem Übel noch hinzu kommt: es hat über die Zeit bestimmt auch die eine oder andere Motte in den Teppichen gewohnt.
Als ich die Teppiche vom Dachboden holte, flatterten dort zumindest einige herum.
Eine Reinigung müsste schon gemacht werden. Nur leider traue ich mir das selbst nicht zu, noch habe ich den Platz um die Teppiche anschließend zu trocknen.

Ich poste mal einen Link von der Firma. Die bieten jedenfalls verschiedenste "Waschprogramme" an.
Gäste sehen keine Links
Welcher Umfang wäre denn sinnvoll in meinem Fall?

Grüße
Hendrik


EDIT:
Wenn Deine Waschmaschine groß genug ist, kannst Du ihn durchs Wollprogramm nudeln. Nicht schleudern. Balkon oder Terrasse und mindestens 3 Tage schönes Wetter vorausgesetzt.
Teppich in die Waschmaschine? Das kann man wirklich machen?? :-O Ich dachte, dass sei so etwas wie eine Todsünde!
Theoretisch bekäme ich den Kleinen schon rein - mehrfach gefaltet versteht sich. Ich lasse es aber lieber sein. O:-)

Gruß
Hendrik

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Beitrag von nilpferd » Freitag 27. März 2020, 12:10

Hallo Hendrik,

von der Webseite her macht Deine Reinigung einen recht ordentlichen Eindruck.
Wenn Du da mal die in Frage kommenden Reinigungsprogramme addierst, was weiss ich noch mit Felgenwäsche und Duftbäumchen zusammenrechnest, wirst Du ungefähr in dem Preisbereich/m² landen wie vernünftigerweise vorhersehbar.

Wenn der Laden so gut ist, wie er von sich behauptet würde ich mich an Deiner Stelle mit Deinen Stücken dort mal zur individuellen Beratung einfinden. Das Risiko ist überschaubar. Um einer Abzocke vorzubeugen hilft es bei frischen Geschäftskontakten oft, bei Zufriedenheit noch Folgeaufträge in Aussicht zu stellen.

Wegen Teppich in die Waschmaschine: Ja, normalerweise Todsünde, bei so weichen fluffigen Afghanen kann man das wagen. Ich würde ihn nicht falten, sondern möglichst amorph reinstopfen. Tatsächlich besteht das Risiko eines Totalverlustes: Wenn er Beschädigungen aufweist, könnten diese sich weiter aufrödeln

Viele Grüße,
Martin
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