Ältere Bucher und muffiger Geruch. Schimmel?

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MathieuL
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Ältere Bucher und muffiger Geruch. Schimmel?

Beitrag von MathieuL » Mittwoch 29. Mai 2019, 12:30

Hallo Forum,

seit längerem beschäftigt mich eine Frage und die lässt mir irgendwie keine Ruhe. Ich denke, dass meine Sorge etwas übertrieben ist aber es geht um folgendes:

Ich sammle Bucher zum Thema Architektur und manchmal erwerbe ich ein älteres vergriffenes Exemplar. Es kam hin und wieder vor, dass ein Buch zwar noch gut aussah aber diesen leichten Muff / Geruch nach altem Buch oder Keller hatte.
Es stört mich nicht besonders, aber ich frage mich immerwieder, was es denn jetzt genau ist, was man da riecht.

Sind das bereits Schimmelsporen, auch wenn der Schimmel noch nicht sichtbar ist?

Wie "gefährlich" ist es wenn ich ein altes Buch zu meinen "frischen" Büchern ins Regal stelle?

Ich habe immer wieder diese Katastrophen Vorstellung, dass sich Schimmelsporen verbreiten und in meine sauberen Bücher übergehen. Bis dann alles kontaminiert ist.
Bücher mit Stockflecken würde ich z.B. auch niemals in mein Regal stellen, da ich mir immer vorstelle, dass sich die Sporen verbreiten.

Ist meine Sorge übertrieben? Vielen Dank im Voraus. Ich hoffe ihr könnt mir was zu dem Thema berichten.

Gruß

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wa213
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Ältere Bucher und muffiger Geruch. Schimmel?

Beitrag von wa213 » Mittwoch 29. Mai 2019, 16:22

Hallo und willkommen,
.
ich denke, wenn Bücher in der Wohnung gelagert werden (normale Raumtememperatur) und ein wenig auf eine nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit (unter 60%) geachtet wird, gibt es kein Problem mit Schimmel. Mir wäre auch noch nicht aufgefallen, dass Schimmel unter diesen Umständen von einem Buch auf ein anderes übertragen wird.
Stockflecken toleriere ich, wenn es nicht zu viele sind, Bücher mit schwarzem, violettem etc Schimmel kaufe ich aus Prinzip nicht, ich denke aber, dass selbst diese, wenn sie ausgetrocknet sind, kein Problem mehr darstellen würden. Bücher werden ja auch nicht jeden Tag durchgeblättert und damit die Sporen verbreitet. Meine Bücher haben Jahrhunderte unter schlechteren Bedingungen überlebt, bei mir hat sich ihr Zustand noch nicht verändert.

Gäste sehen keine Links findest du Tipps zum Entfernen des unangenehmen Geruchs, bei Tabak hat das bei mir hat das bisher nicht wirklich zufriedenstellend funktioniert, muffiger Geruch wird zumindest weniger, sobald das Buch trocken ist, das kann aber dauern.

Ich bin Amateur, wenn jemand fundiertere Kenntnisse hat, möge er mich bitte korrigieren.

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nux
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Ältere Bucher und muffiger Geruch. Schimmel?

Beitrag von nux » Donnerstag 30. Mai 2019, 01:17

Hallo & willkommen :slightly_smiling_face:
MathieuL hat geschrieben:
Mittwoch 29. Mai 2019, 12:30
diesen leichten Muff / Geruch nach altem Buch oder Keller hatte.
... aber ich frage mich immer wieder, was es denn jetzt genau ist, was man da riecht. Sind das bereits Schimmelsporen, auch wenn der Schimmel noch nicht sichtbar ist?
das ist ein ungemein komplexes Thema, das Du da anreißt. Einen Teil der Frage, nämlich den nach den Ursachen, beantwortet der von @wa213 gesetzte Link schon, nämlich, dass Papier Gerüche an-/aufnimmt & behält. Was man dagegen tun kann, er selbst.

Je feuchter es war oder ist, desto intensiver wird meist der unerwünschte 'Duft'. Wenn es Schimmel gab oder gibt - das sieht man. Und solch ein Exemplar sollte dann eigentlich weg oder eben, falls sehr wertig, von einem Restaurator gemacht werden.

Aktiven Schimmel kann man auch als Mensch riechen (Brot?), da dieser flüchtige organische Substanzen abgibt - das ist wirklich stinkert. Aber Schimmelsporen sind sowieso immer und überall vorhanden und ob sie nun (inaktiv) in erhöhter Anzahl irgendwo vorkommen - die Frage könnte Dir vielleicht nur ein darauf trainierter Hund beantworten. Oder ein mikrobieller Test (also Abklatsch- oder Staubprobe nehmen & Kultur anlegen). Sie krabbeln auch nicht rum - von wegen: auf 'saubere' Bücher übergehen, da braucht es schon Luftbewegungen. Und eben außerdem: Schimmelsporen kommen überall in der Natur & auch in unseren Häusern/Wohnungen vor, sie gehören sie zu unserer natürlichen Umwelt. Für den Menschen ist davon auch nur ein ganz kleiner Teil krankmachender oder allergieauslösender Sorten relevant. Büchern, Papier ist Schimmel erstmal egal - es sei denn, es ist feucht genug, dass er wachsen und sie/es als Substrat vermampfen oder verschmutzen können. Trockenheit, gute Belüftung und so wenig Staub wie möglich ist also oberstes Gebot.

Die Entstehung von Stockflecken ist zwar ebenfalls in Zusammenhang mit Feuchtigkeit zu sehen, aber ursächlich nicht ganz geklärt. Man kann bestimmte Reduktionsmittel verwenden, um die Bräunung zu vermindern, aber das gehört (sofern man chemisch nicht sehr gut beschlagen ist) in die Hände von Fachleuten
wa213 hat geschrieben:
Mittwoch 29. Mai 2019, 16:22
bin Amateur,
ich auch ;) - aber mit 'altem Papier' hab ich es auch gelegentlich zu tun, seltener Bücher, eher in Form von Druckgrafiken.

Was mich zu der Sache mit dem Papier bringt - säurehaltig oder säurefrei spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Ganz alte Bücher aus Hadernpapier mit klassischer Leimung riechen auch, oft heftig, aber für mein Gefühl ganz anders. Ich weiß ja nicht, welchen Alters die Bücher sind, die Du so hast/sammelst - aber wenn es welche so ab Mitte/Ende 19. Jh. sind, dürfte es sich meist schon um Holzschliff-Papier handeln. Und die sind von diesem bestimmten Keller-Muff-Geruch besonders betroffen. Manchmal denke ich fast, dass es auch was mit beginnendem Zerfall schon zu tun hat, Begleiterscheinung des Alterungsprozesses.

Aus meiner Kiste also noch ein paar Kleinigkeiten dazu - als Trocknungsmittel eignet sich grundsätzlich natürlich auch Kieselgel sehr gut. Vorteil: staubt selbst nicht & ist regenerierbar. Kann man lose kaufen (nicht gefärbte nehmen, auf Restfeuchte besser separat testen) oder in diesen Tütchen, oder aber diese für lau sammeln.

Die Sache mit der Katzenstreu ist auch so eine - eine gute, aber dabei gilt es, einige Dinge zu beachten. Es geht um die Zeolithe darin, die können Feuchtigkeit & aber eben auch Gerüche binden. Daher muss es eben auch so eine Streu sein bzw. der 'reine Stoff', den es auch als Zusatz zu kaufen gibt. Grundsätzlich lassen sich auch ZEOs regenerieren, aber sollte man bei dem gedachten Anwendungszweck eher nicht machen. Wichtig: natürliche Zeolith-Granulate, da wo Klinoptilolith draufsteht, müssen nicht, aber können gelegentlich erhebliche Mengen an Aluminium u./o. Blei enthalten. Also vorsichtshalber immer vorsichtig mit den Stäuben, sprich Staubmaske.

Bentonite hingegen kann man zwar auch als Trockenmittel direkt sowie zum Trockenhalten nehmen - aber es ist weniger aktiv, was Geruch betrifft.
Kaffeepulver gegen Gerüche hilft bei Holz z.B. - bei Papiernem konnte ich bisher noch keine Besserung feststellen. Dafür ist Aktivkohle mein Favorit. Hübsch eingepackt in einen Stoffbeutel, damit nichts schmutzt. Ein Buch oder Druck damit (nach der Trocknung) nochmals zusammen 'einsperren' und dann ist meist alles sehr viel besser oder sogar gut.

Ansonsten hilft noch einfach viel richtig frische Luft über längere Zeit. Ich lagere ganz übel müffelnde Problemfälle zuerst einfach den Sommer über in einem gut durchlüfteten Bodenraum auf einem Metallgitter-Trockengestell zusammen mit oben drauf (schon trockenen) Salbeibüscheln (bisschen Hexenkram muss schon sein) :)

Hausstaub, Schimmelpilzsporen, Mineralstäube - man sollte (nicht nur aber gerade) für solche Zwecke wie das Bücher ab- und aussaugen auch einen gut regulierbaren Staubsauger mit entsprechenden Filtern haben. Zyklon & HEPA sind da durchaus nicht unempfehlenswert.

Gruß
nux

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